Hochwasser im Selketal
1994 - Ereignisse und Ursachen  
Im April 1994 herrschte in unserem Raum eine ganz außergewöhnliche Wetterlage. Während der Unterharz und das nördliche Harzvorland normalerweise im Regenschatten des Harzes liegen, führten an diesen Tagen sehr ergiebige Regenwolken aus nördlicher Richtung heran (eine sogenannte Vb-Wetterlage ), die hier von den späten Abendstunden des 12. April bis zum Morgen des 13. April mit einer Ergiebigkeit von 80 l/m² abregneten.
Der außergewöhnlich starke und anhaltende Regen traf auf den von bisherigen Regen gesättigten Boden, so daß die Abflußrate sehr hoch war. Die Selke und ihre Bäche traten über die Ufer, ebenso die Bode.
Das daraus entstandene Hochwasser wurde von den Fachleuten als ein
HQ 200
eingeschätzt.
HQ 100 (Hochwasserquotient) bedeutet, daß dieses Hochwasser eine Stärke erreicht, wie sie nach den statistischen Berechnungen  nur einmal
in 100 Jahren vorkommt.

Das Hochwasser 1994 wurde vom Landesbetrieb als ein HQ 200 eingestuft.
Das entspricht nicht etwa der doppelten Wassermenge gegenüber einem HQ 100, sondern kennzeichnet nur, daß ein Hochwasser dieser Stärke mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von 200 Jahren wieder auftreten kann.
Schäden  1       2  
 3      4  
  5      6 
Bei dem Hochwasser 1994 waren glücklicherweise keine Personenschäden zu verzeichnen !
Die Sachschäden waren allerdings beträchtlich. Als Gesamtwert für die erfaßten Hochwasserschäden wurden 53,526 Mio DM angegeben.
Insbesondere in Silberhütte und Alexisbad zerstörten die schnell fließenden Wassermassen den Industriebetrieb Rinkemühle, Straßen, die Hotels, und die Geleise der Harzer Schmalspurbahn. In der Selkeaue beschädigte das Hochwasser einige Wohnhäuser in den Orten, aber besonders die Wassermühle in Meisdorf. Ein Gebäudeteil mußte abgebrochen werden. Trotzdem sieht Herr Bischof sen. als Eigentümer und Betreiber der Mühle in dem geplanten Damm eine zusätzliche Gefahr und keinen Schutz.

1 und 2    Schon am 31.12.1993 trat die Selke über die Ufer Fotos aus
                  Silberhütte).
3 und 4    In Alexisbad traten große Schäden auf.
5             Die Bodeaue - hier bei Ditfurt - war großflächig überschwemmt.
6             Das unverbaute und unbebaute Selketal zwischen der Selkemühle
                 und der Thalmühle nimmt bei einem Hochwasser keinen Schaden.
   
In den Folgejahren  
Besonders leichtfertig ist es, daß in den 1994 überschwemmten Gebieten seitdem neu gebaut wurde.  
 
 
   

Planung
Um künftig solche Schäden zu vermeiden, hat die Landesregierung über den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft ein Planungsbüro in Dresden damit beauftragt, eine Studie mit Untersuchungen und Vorschlägen zur Erzielung des Schutzes vor einem 100-jährigen Hochwasser zu erarbeiten.

In dieser Studie aus dem Jahr 1999 und Ergänzung aus dem Jahr 2000 werden zwar verschiedene Varianten betrachtet, aber aus rein wasserbau-fachlicher Sicht wird dem Bau von zwei Hochwasser-Rückhaltebecken bei Straßberg und Meisdorf bescheinigt, die einzige Möglichkeit zu sein, den Schutz vor einem HQ 100 zu gewährleisten.
Die Aufgabenstellung an die Planer war offensichtlich, in den Orten an der Selke den Schutz vor einem HQ 100 ausschließlich mit wasserbaulichen Maßnahmen zu erreichen, ohne andere Belange wie den Naturschutz und die Tourismuswirtschaft als einer wichtigen wirtschaftlichen Grundlage für die Bevölkerung berücksichtigen zu müssen.

Im Ministerium ist das Referat 25 für den Hochwasserschutz zuständig. Es liegt die Vermutung nahe, daß das Referat 23 (Naturschutz) in der gleichen Abteilung nicht in die Planung einbezogen wurde.
 
Dadurch wurden die Konflikte provoziert, die uns als Bürgerinitiative zu Kritikern dieses Vorhabens machten.

Es wäre besser und auch möglich gewesen, wenn der Auftrag etwa gelautet hätte: Erarbeitung von Vorschlägen, welcher Hochwasserschutz erreichbar ist bei gleichzeitigem Schutz der Natur und der Landschaft.

Die Empfehlungen der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser und die DIN 19700-12 Stauanlagen, Hochwasserrückhaltebecken gehen zwar von dem Schutzziel HQ 100 aus, legen aber diese Auftragsgestaltung nahe. Da 1994 bei einem HQ 200 kein Mensch direkt zu Schaden gekommen ist, kann der Schutz von Menschenleben praktisch gleichberechtigt mit den anderen schützenswerten Interessen der Menschen gesehen werden.
Auf der Grundlage der Studie erarbeitete der LHW für die Landesregierung den HOCHWASSERAKTIONSPLAN SELKE  .
Er schließ mit der Aussage:

Das Kernstück für den HW Schutz im Selkegebiet ist die Schaffung von Voraussetzungen zum Rückhalt von Wasser durch den Bau der RHB Straßberg und Meisdorf.
Die ökonomischen bzw. ökologischen Parameter stellen hier ein Optimum dar.
Diese Aussage wird in dem Plan nur behauptet und ist bis heute nicht bewiesen worden.
Die BI ist sich sicher, daß sie falsch ist.


Unter Einbeziehung und Realisierung unserer Vorschläge ist ein vergleichbarer Hochwasserschutz zu erreichen. Unsere Vorschläge wurden zwar dem Ministerium und dem LHW unterbreitet, aber nie ernsthaft diskutiert oder geprüft.
Die Durchführung eines Raumordnungsverfahrens, bei dem nicht nur die Argumente des Hochwasserschutzes, sondern alle relevanten Gesichtspunkte zu betrachten sind, wurde verweigert.
Unten erläutern wir die Alternativen im einzelnen.
 
Die Länderarbeitsgemeinschaft Wasser, in der  auch das Land Sachsen-Anhalt mitarbeitet, hat Empfehlungen herausgegeben.
                  Darin wird gewarnt:
in Ziff. 3.1
"Technischer Hochwasserschutz wird von der Bevölkerung häufig als absoluter Schutz empfunden, so daß die früher vorhandene Eigenvorsorge gegen Hochwasser verlernt wird und das Schadenspotential anwächst. Auf diese Weise kann es in den geschützten Gebieten zu den größten Hochwasserschäden kommen."
in Ziff. 4.3.1
Grundsätze zur Bemessung von Hochwasserschutzanlagen:
Überschwemmungsgebiete sollen grundsätzlich von Bebauung freigehalten werden. Zum Schutz bestehender Bebauung ist folgendes zu berücksichtigen:
Neue Deiche, Hochwasserschutzmauern sowie Schutzanlagen für die Hochwasserrückhaltung dürfen nur zum Schutz vorhandener Siedlungen und wichtiger Anlagen gebaut werden, soweit es im überwiegend öffentlichen Interesse erforderlich ist.
Vor dem Bau von Hochwasserschutzanlagen ist zu prüfen, ob das Hochwasserrisiko nicht durch eine Hochwasser angepasste Gestaltung reduziert werden kann, so dass Hochwasserschutzanlagen nicht erforderlich sind.
Verloren gehender natürlicher Retentionsraum ist grundsätzlich zeitgleich auszugleichen.

Handlungsempfehlung:
Bemessung von Hochwasserschutzanlagen nach Randbedingungen des Einzelfalles:
Grundlage für die Bemessung von Hochwasserschutzanlagen muß eine Risikopartnerschaft von zuständiger Verwaltung und Betroffenen sein, verbunden mit einem Existenzschutz z.B. durch eine Versicherung.
Die Bemessung von örtlichen Hochwasserschutzanlagen sollte sich nach den Randbedingungen des Einzelfalles richten, orientiert an den Hochwasserschadenspotentialen und der gefährdeten Bevölkerung.

    www.lawa.de

Über alle Gesetze und Rechtsfragen zum Wasserrecht informiert die Grüne Liga auf ihrer Internetseite
     www.wrrl-info.de

Die DIN 19700-12 Stauanlagen,
Hochwasserrückhaltebecken

hat die Zielstellung eines Schutzgrades von HQ 100,
dieses aber nicht bedingungslos, sondern ......
4.1.1 Ziel der Hochwasserrückhaltung
Ziel der Schutzmaßnahme durch Hochwasserrückhaltebecken ist, die für die Unterlieger schadensträchtigen Hochwasserereignisse zu reduzieren. Bei der Festlegung des Schutzzieles sind wirtschaftliche und ökologische Gesichtspunkte sowie Möglichkeiten der Hochwasservorsorge zu berücksichtigen.

 4.2.3 Hochwasserschutz (Hochwasserbemessungsfall 3)
Die Bemessung des gewöhnlichen Hochwasserrückhalteraumes nach Hochwasserbemessungsfall 3 (BHQ3) unterliegt den regional geprägten Anforderungen an den Schutz von Bebauung und Objekten oder dem Ausgleich der Wasserführung. ...

Ohne Beachtung dieser beiden Papiere und unserer Einwände und Alternativen
wurden zwei Hochwasserrückhaltebecken geplant:

Nach den uns zur Kenntnis gekommenen Informationen soll das geplante Hochwasserrückhaltebecken bei Meisdorf etwa so aussehen: Die Bezeichnung als "Grünes Becken mit ökologischem Gerinne"  und das Bild mit der Simulation des Staudammes sollen seine Naturverträglichkeit suggerieren.  
          
Bei Straßberg ist ein zweites Rückhaltebecken geplant  . Dieses HRB zerstört ebenso wie das bei Meisdorf ein sehr wertvolles Naturschutzgebiet.
Deshalb : Erst wenn alle Alternativen realisiert sind und dann noch weitere Hochwasserschutzmaßnahmen für den elementaren Schutz von Menschenleben erforderlich sein sollten, könnte der Bau dieses HRB toleriert werden.
 
Für das HRB Wippra wurde 2006 das Planfeststellungsverfahren eröffnet und ist bisher nicht abgeschlossen worden. Stellungnahme des NABU  Sachsen-Anhalt vom 7.04.2006:
Der NABU lehnt das geplante Vorhaben aus naturschutzfachlicher Sicht ab. Insbesondere sind mit erheblichen Auswirkungen auf die Schutzgüter Pflanzen, Tiere und deren Lebensräume zu erwarten. Das Projekt ist gemäß Artikel 6 FFH-Richtlinie nicht mit den Erhaltungszeilen vereinbar und damit unverträglich. Die Darstellung des Ausgleichs- und Ersatzkonzeptes ist nicht schlüssig und damit nicht nachvollziehbar.
 
Im Ost-Erzgebirge wurde 2006 das HRB Lauenstein im Müglitztal fertiggestellt. Dieses HRB ist konzipiert für gesteuerten Dauerstau.
Bei einem Einzugsgebiet von 38 km² hat es einen Stauraum
von 5,19 Mio m³.
Es ist für ein HQ 200 ausgelegt.
Die Baukosten betrugen 38,7 Mio €. 

Foto: Prof. Dr. Würzberg

 
Ebenfalls im Ost-Erzgebirge - im Bielatal bei Altenberg ist ein sehr großes HRB geplant. Für dieses HRB wurde das Planfeststellungsverfahren eröffnet, aber wohl wegen ebenso gravierender Mängel bei der Untersuchung und Auswertung naturschutzfachlicher Belange nicht abgeschlossen.  
Als weiteres HRB im Ost-Erzgebirge ist im Pöbeltal das HRB Niederpöbel im Bau. Welche Folgen der Bau eines solchen Dammes hat, kann man gegenwärtig im Osterzgebirge sehen. Hier wurde unweit von Schmiedeberg mit der Bauvorbereitung eines Dammes für ein Hochwasserrückhaltebecken im Pöbeltal begonnen. Wie im Selketal handelt es sich um ein Trockenbecken, das nur bei Hochwasser mehr oder weniger gefüllt wird. Das Ausmaß dieses Beckens ist mit der im Selketal geplanten Anlage vergleichbar: Rückhaltevolumen des Beckens im Pöbeltal ca. 1,1 Mio. m³.  
 
  Der Pöbelbach ist ein Nebenfluss der Weißeritz, die während des Augusthochwassers im Jahr 2002 Teile der Innenstadt von Dresden überschwemmte. Die im Pöbeltal geplante Maßnahme ist Teil eines Hochwasserschutzkonzeptes, durch das solche verheerenden Überschwemmungen künftig verhindert werden sollen. Dem berechtigten Wunsch der Bevölkerung, vor derartigen Katastrophen geschützt zu werden, soll mit einer Reihe solcher Anlagen entsprochen werden. Es ist allerdings aus den hier gezeigten Fotos ersichtlich, welcher Preis dafür gezahlt werden muss. Nach einem Zeitungsbericht (Dresdner Neueste Nachrichten vom 22.01.2011) wurden im Pöbeltal insgesamt ca. 7 ha Wald abgeholzt. Man kann erkennen, dass im Bereich der Baustelle bereits durch den Holzeinschlag die ursprüngliche Vegetation zerstört werden musste. Außerdem wird in unmittelbarer Nähe zur Baustelle ein Steinbruch angelegt, in dem das Material für den Dammbau gewonnen werden soll. Eine weitere Inanspruchnahme der natürlichen Umwelt wird damit erforderlich. Dazu ist aber festzustellen, dass im Hinblick auf die natürliche Ausstattung und auf die Bedeutung für den Tourismus das Pöbeltal nicht vergleichbar ist mit dem Selketal, das eine wesentlich größere Schutzwürdigkeit hat. Wenn man diese Bilder von der Baustelle im Pöbeltal gedanklich auf das Selketal überträgt, so ist ersichtlich, dass es sich mit dem Bau des geplanten Absperrdammes nicht um eine kleinere, harmlose Baumaßnahme handeln wird.                                                                             Prof. Dr. Würzberg  

Alternativen

ALTERNATIVEN FÜR DIE HOCHWASSERRÜCKHALTEBECKEN (HRB) ...

...... SIND ERFORDERLICH,

weil es Natur und Umwelt schädigt
bis hin zur Vernichtung des NSG, des FFH-Gebietes und des Vogelschutzgebietes.
Auf unserer Seite Naturschutz haben wir dargestellt, wie einmalig und wertvoll dieses Gebiet ist. Deshalb muß es unter allen Umständen erhalten bleiben.
Mit dem Damm und der Kanalisierung des Flusses vor und hinter dem Damm wird eine für fast alle Tiere unüberwindliche Sperre gebaut. In der Planung wird behauptet, das HRB würde ökologisch durchgängig gebaut. Andererseits wird eingeräumt, daß das in Deutschland noch bei keinem HRB dieser Größe erreicht werden konnte.

Die ökologische Durchgängigkeit ist nicht erreichbar. ca. 1000 m technischer Ausbau = Kanal und Tunnel
Verschlechterungsverbot nach WRRL
Hänge werden kahlgeschlagen  
Kaltluftabfluß wird verhindert und damit ändert sich das Mikroklima


Blick von der Hohe ( B 185 ) auf Meisdorf und dahinter die aus dem Tal abfließende Kaltluft.
Abfluß von Kaltluft wird untersucht
Der Landesbetrieb für Hochwasser und Wasserwirtschaft hat unser Argument, der Damm würde den Kaltluftabfluß behindern und damit das Ökosystem des Selketals beeinträchtigen mehrfach als unbegründet bezeichnet. Nun erfuhren wir aus der Presse (MZ am 4. Aug. 2007), daß eine diesbezügliche Untersuchung veranlaßt wurde.
Dazu veröffentlichte die MZ QLB am 15. Aug. 2007 folgenden Leserbrief der BI:
Durch die Mitteilung über die Kaltluftabflussuntersuchungen im Selketal erfuhr ich, dass der Landesbetrieb für Hochwasserschutz nun doch umfangreichere Untersuchungen durchführen lässt, um im Naturschutzgebiet, EU-Vogelschutzgebiet und EU-Schutzgebiet (FFH) Selketal einen Hochwasserschutzdamm zu errichten. Es ist erfreulich, dass vorher klein geredete Problemfaktoren nun doch untersucht werden. Andererseits zeigt es jedoch, dass Naturschutz- und Umweltfaktoren im Vorfeld nicht ausreichend ausgelotet oder überblickt wurden, wenn nun zusätzliche Untersuchungen stattfinden, die nicht in der Gesamt(kosten)planung des Dammes berücksichtigt worden sind. Um den Lokalpolitikern und Bürgern den Damm plausibel zu machen, hieß es damals, der Damm sei die ökologisch und ökonomisch beste Variante. Dass es nicht die ökologisch beste Variante ist, kann der Landesbetrieb nicht nachweisen. Dass es die ökonomisch bessere Variante sein soll, wirft, angesichts der ständig neuen Kostenfaktoren allein in der Planung, große Zweifel auf.
Claudia Wolf
Naturraumverbrauch Fläche NSG wird verglichen mit landwirtschaftlicher Nutzfläche.
Die Fläche im NSG, auf der der Damm mit allen Nebenanlagen gebaut wird, "verbraucht" dieses Gebiet.
Im Gegensatz dazu ist die vorübergehende Inanspruchnahme durch Überflutung bei Retentionsflächen kein "Verbrauch" - dadurch entstehende Nutzungsausfälle sind ersetzbar.
nach HW bleiben Schlamm und Gerümpel zurück    Sie ersticken die Vegetation und auch deren Beseitigung zerstört die Vegetation

weil es die Landschaft schädigt.

 
HRB ist schnell voll und läuft bei HQ 200 über Normalerweise fließen in der Selke durch Meisdorf etwa 1 bis 5 m³/s.
Am 13. April 1994 lag der Spitzenwert bei 110 m³/s - einem HQ 200.
Wenn bei HQ 200 als Durchschnittswert 85 m³/s angesetzt werden und 20 m³/s sofort abfließen, ist das Rückhaltebecken Meisdorf mit seinem Füllvolumen von 1,94 Mio m³ nach 8,5 Stunden voll und das Wasser fließt über den Überlauf und verursacht im Ort die Schäden, die der Damm eigentlich verhindern soll.
Die Fläche, auf die es regnet, liegt größtenteils unterhalb des geplanten HRB.  
unbestimmte Kosten Behauptung : billiger als Ausbau in den Orten
touristische Attraktivität geht gänzlich verloren Tourismus ist ein wesentliches Standbein für die Wirtschaft der Region - Arbeitskräfte
   

 

...... SIND  MÖGLICH.

Worum geht es ?
Es geht darum, dass Sie - die Anwohner der Selke - ausreichend vor Hochwasser geschützt werden. Und es geht darum, dass uns allen das schöne und wertvolle Selketal, in seiner Anmut erhalten bleibt, denn seine Zerstörung ist unverantwortlich.

Die Bürgerinitiative Naturnaher Hochwasserschutz hat diese Alternativen seit 2002 vorgeschlagen und bemühte sich um deren Einbeziehung in die Planung.

Jede einzelne hier aufgezeigte Maßnahme und alle zusammen werden einen besseren Hochwasserschutz bieten als die Dämme.

1 Eine westlich um Gatersleben vorbeigeführte Umflutmulde, die einem historischen Flußlauf folgt, mit einem rechtsseitigen ca. 1m hohen Deich sowie ein Absperrbauwerk vor dem Ort schützen ihn sicher. Das ist wesentlich effektiver und kostensparender als die vorgesehenen Maßnahmen im Ort - die Kanalisierung der Selke und die Fällung vieler Bäume.
2 Die Niederschläge aus einem Einzugsgebiet um Ballenstedt von 32 km² bringt die Getel in die Selke. Diese können vor Hoym in einem Rückhaltebecken aufgefangen werden. Dabei bildet die Kiesgrube Hoym ein weiteres Speicher-Volumen.
3 Das ehemalige Flußbett - östlich um Reinstedt - wird als Umflutmulde reaktiviert. Zwei Absperrbauwerke vor dem Ort verhindern seine Überflutung.
4 Vor Ermsleben kann der Bahndamm so ergänzt werden, dass davor eine Retentionsfläche (Fläche, die für eine planmässige Überschwemmung zur Verfügung gestellt wird.) entsteht.
5 Die Niederschläge aus dem Einzugsbereich des Sauerbaches können in einem Rückhaltebecken aufgefangen werden.
6 Die Straße, die am ehemaligen Bad in Meisdorf die Selke überquert, kann um ca. 2 bis 3 m erhöht werden, die Selke erhält an dieser Stelle ein Wehr, und es entsteht auf der Langen Wiese eine Retentionsfläche, die bis kurz vor die Jugendherberge reicht.
7 Alle geeigneten Teiche (von insgesamt 28) werden für den Hochwasserschutz ertüchtigt und vor einem drohenden Hochwasser so weit abgelassen, daß deren Flora und Fauna keinen Schaden nehmen, aber einen Stauraum für die Niederschläge bilden :
a Juden-, Hahneröder und Harzgeröder Kunstteich
b Teufels- und Fürstenteich
c Birnbaumteich
d Malinius-, Franken- und Kiliansteich
e Bremer Teich.

Im Info-Blatt des TSB wird festgestellt, daß ein “theoretisch möglicher Rückhalteraum von 31% des erforderlichen bei Aktivierung der Harzteiche” erreichbar sei. Das ist viel und darf nicht vernachlässigt werden, denn damit sind die Teiche ein wesentlicher Teil der Alternativen.

8 Im Uhlenbachtal kann ein Rückhaltebecken in dem Bereich zwischen der B 242 und der Grubenwasser-Reiningungsanlage gebaut werden. Dieser Bereich hat keine hochwertige Naturausstattung und keine touristischen Besonderheiten. Es schützt alle Orte zwischen Silberhütte und Meisdorf.
9 Erst wenn alle Alternativen realisiert sind und dann noch weitere Maßnahmen erforderlich werden, könnte der Bau des Dammes bei Straßberg akzeptiert werden, obwohl er ebenfalls ein sehr wertvolles NSG zerstört !
Den Gemeinden werden mobile Hochwasserschutz-Systeme zur Verfügung gestellt und die Wasserwehren daran ausgebildet.

Am 23. Sept. 2006 zeigten wir erprobte Systeme von 6 verschiedenen Firmen z.T. im praktischen Einsatz auf dem Gelände des Schloßhotels Meisdorf. Sie sind schneller aufgebaut und effektiver als Sandsäcke.

       Eine Auswahl von Firmen, die Hochwasserschutz-Systeme anbieten, finden Sie hier.
In jedem Ort am Lauf der Selke hat es früher Mühlen gegeben. Die Mühlteiche und -gräben dienten auch dem Hochwasserschutz. Diese Bauwerke sind möglichst wiederherzustellen. An ökologisch unbedenklichen Stellen kann mit Turbinen Strom gewonnen und die Mühlteiche können als Retentionsflächen genutzt werden.
Hochwässer sind unvermeidbare Ereignisse an einem Fluss - trotz aller Maßnahmen. Deshalb müssen die Bürger durch Informationen über die Möglichkeiten des individuellen Schutzes und ein effektives Frühwarnsystem auf die unvermeidbare Gefahr hingewiesen werden.
Trotz starker Schneefälle im Bereich der Selke im Dezember 2010 und im Januar 2011 hat es bei dem anschließenden Tauwetter keine Hochwasserschäden  gegeben.

Am 15. Januar 2011 waren an der Selke die maximalen Pegel in Silberhütte 20 m³/s, in Meisdorf 23 m³/s und ca. 20 Stunden später in Hausneindorf
33 m³/s. Bisher war unsere Information, daß die Selke nur 20 m³/s schadlosen Durchfluß ermögliche. Einzelne lokale Maßnahmen an der Selke haben also schon eine Verbesserung des Hochwasserschutzes bewirkt. Unsere Vorschläge würden diesen Trend weiter führen.

Keinesfalls darf angesichts der großen Schäden im Bereich der Schwarzen Elster auf die Verbesserung des Hochwasserschutzes an der Selke verzichtet werden.
Aus unseren Alternativen haben wir eine Prioritätenliste erarbeitet, die der Landesregierung und den Bewohnern des Selketals und der Selkeaue zeigen, daß es möglich ist, auch schon vor 2018 einen effektiven und leichter machbaren Hochwasserschutz zu erreichen.  Diese Vorschläge haben wir auch an Minister Dr. Aeikens geschickt.

Dazu ist in der Mitteldeutschen Zeitung Quedlinburg in der Ausgabe am 16. April 2011 ein Artikel erschienen.