Hochwasser im Selketal
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1994 -
Ereignisse und Ursachen |
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Im April
1994 herrschte in unserem Raum eine ganz
außergewöhnliche Wetterlage. Während der Unterharz und
das nördliche Harzvorland normalerweise im Regenschatten
des Harzes liegen, führten an diesen Tagen sehr
ergiebige Regenwolken aus nördlicher Richtung heran
(eine sogenannte Vb-Wetterlage
),
die hier von den späten Abendstunden des 12. April bis
zum Morgen des 13. April mit einer Ergiebigkeit von 80
l/m² abregneten.
Der außergewöhnlich starke und
anhaltende Regen traf auf den von bisherigen Regen
gesättigten Boden, so daß die Abflußrate sehr hoch war.
Die Selke und ihre Bäche traten über die Ufer, ebenso
die Bode.
Das daraus entstandene Hochwasser wurde von den
Fachleuten als ein
HQ 200 eingeschätzt. |
HQ 100
(Hochwasserquotient) bedeutet, daß dieses Hochwasser
eine Stärke erreicht, wie sie nach den statistischen
Berechnungen nur einmal
in 100 Jahren vorkommt.
Das Hochwasser 1994 wurde vom Landesbetrieb als ein HQ
200 eingestuft.
Das entspricht nicht etwa der doppelten
Wassermenge gegenüber einem HQ 100, sondern kennzeichnet nur, daß ein
Hochwasser dieser Stärke mit einer statistischen
Wahrscheinlichkeit von 200 Jahren wieder auftreten kann. |
| Schäden |
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Bei dem
Hochwasser 1994 waren glücklicherweise keine
Personenschäden zu verzeichnen !
Die Sachschäden waren allerdings beträchtlich. Als
Gesamtwert für die erfaßten Hochwasserschäden wurden 53,526 Mio DM
angegeben.
Insbesondere in Silberhütte und Alexisbad zerstörten die
schnell fließenden Wassermassen den Industriebetrieb
Rinkemühle, Straßen, die Hotels, und die Geleise der
Harzer Schmalspurbahn. In der Selkeaue beschädigte das
Hochwasser einige Wohnhäuser in den Orten, aber
besonders die Wassermühle in Meisdorf. Ein Gebäudeteil
mußte abgebrochen werden. Trotzdem sieht Herr Bischof
sen. als Eigentümer und Betreiber der Mühle in dem geplanten
Damm eine zusätzliche Gefahr und keinen Schutz.
1 und 2 Schon am 31.12.1993 trat die
Selke über die Ufer Fotos aus
Silberhütte).
3 und 4 In Alexisbad traten große
Schäden auf.
5
Die Bodeaue - hier bei Ditfurt - war großflächig überschwemmt.
6
Das unverbaute und unbebaute Selketal zwischen der Selkemühle
und der Thalmühle nimmt bei einem Hochwasser keinen Schaden. |
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| In den
Folgejahren |
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| Besonders
leichtfertig ist es, daß in den 1994 überschwemmten
Gebieten seitdem neu gebaut wurde. |
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Planung
Um künftig
solche Schäden zu vermeiden, hat die Landesregierung
über den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und
Wasserwirtschaft ein Planungsbüro in Dresden damit
beauftragt, eine Studie mit Untersuchungen und
Vorschlägen zur Erzielung des Schutzes vor einem
100-jährigen Hochwasser zu erarbeiten.
In dieser Studie aus dem Jahr 1999 und Ergänzung aus dem
Jahr 2000 werden zwar verschiedene Varianten betrachtet,
aber aus rein wasserbau-fachlicher Sicht wird dem Bau von
zwei Hochwasser-Rückhaltebecken bei Straßberg und Meisdorf bescheinigt, die einzige Möglichkeit zu sein,
den Schutz vor einem HQ 100 zu gewährleisten. |
Die
Aufgabenstellung an die Planer war offensichtlich, in
den Orten an der Selke den Schutz vor einem HQ 100
ausschließlich mit wasserbaulichen
Maßnahmen zu erreichen, ohne andere Belange wie den
Naturschutz und die Tourismuswirtschaft als einer
wichtigen wirtschaftlichen Grundlage für die Bevölkerung berücksichtigen
zu müssen.
Im Ministerium ist das Referat 25 für den
Hochwasserschutz zuständig. Es liegt die Vermutung nahe,
daß das Referat 23 (Naturschutz) in der gleichen
Abteilung nicht in die Planung einbezogen wurde.
Dadurch wurden die Konflikte provoziert, die
uns als Bürgerinitiative zu Kritikern dieses Vorhabens
machten.
Es wäre besser und auch möglich gewesen, wenn der
Auftrag etwa gelautet hätte: Erarbeitung von
Vorschlägen, welcher Hochwasserschutz erreichbar ist bei
gleichzeitigem Schutz der Natur und der Landschaft.
Die Empfehlungen der
Länderarbeitsgemeinschaft Wasser und die
DIN 19700-12 Stauanlagen,
Hochwasserrückhaltebecken gehen zwar von dem
Schutzziel HQ 100 aus, legen aber diese
Auftragsgestaltung nahe. Da 1994 bei einem HQ 200 kein
Mensch direkt zu Schaden gekommen ist, kann der Schutz
von Menschenleben praktisch gleichberechtigt mit den
anderen schützenswerten Interessen der Menschen gesehen
werden. |
Auf der
Grundlage der Studie erarbeitete der LHW für die
Landesregierung den HOCHWASSERAKTIONSPLAN SELKE
.
Er schließ mit der Aussage:
Das Kernstück für den HW Schutz im Selkegebiet ist die Schaffung von
Voraussetzungen zum Rückhalt von Wasser durch den Bau der RHB Straßberg und
Meisdorf.
Die ökonomischen bzw. ökologischen Parameter stellen hier ein Optimum dar. |
Diese Aussage wird in dem Plan nur behauptet und ist bis heute
nicht bewiesen worden.
Die BI ist sich sicher, daß sie falsch
ist.
Unter Einbeziehung und Realisierung unserer Vorschläge ist ein
vergleichbarer Hochwasserschutz zu erreichen. Unsere
Vorschläge wurden zwar dem Ministerium und dem LHW
unterbreitet, aber nie ernsthaft diskutiert oder
geprüft.
Die Durchführung eines Raumordnungsverfahrens, bei dem
nicht nur die Argumente des Hochwasserschutzes, sondern
alle relevanten Gesichtspunkte zu betrachten sind, wurde
verweigert.
Unten erläutern wir die Alternativen
im einzelnen. |
Die Länderarbeitsgemeinschaft Wasser, in der
auch das Land Sachsen-Anhalt mitarbeitet, hat
Empfehlungen herausgegeben.
Darin wird gewarnt: |
in Ziff. 3.1
"Technischer Hochwasserschutz wird von der
Bevölkerung häufig als absoluter Schutz empfunden,
so daß die früher vorhandene Eigenvorsorge gegen
Hochwasser verlernt wird und das Schadenspotential
anwächst. Auf diese Weise kann es in den geschützten
Gebieten zu den größten Hochwasserschäden kommen." |
in Ziff. 4.3.1
Grundsätze zur Bemessung von
Hochwasserschutzanlagen:
Überschwemmungsgebiete sollen grundsätzlich von
Bebauung freigehalten werden. Zum Schutz bestehender
Bebauung ist folgendes zu berücksichtigen:
Neue Deiche, Hochwasserschutzmauern sowie
Schutzanlagen für die Hochwasserrückhaltung dürfen
nur zum Schutz vorhandener Siedlungen und wichtiger
Anlagen gebaut werden, soweit es im überwiegend
öffentlichen Interesse erforderlich ist.
Vor dem Bau von Hochwasserschutzanlagen ist zu
prüfen, ob das Hochwasserrisiko nicht durch eine
Hochwasser angepasste Gestaltung reduziert werden
kann, so dass Hochwasserschutzanlagen nicht
erforderlich sind.
Verloren gehender natürlicher Retentionsraum ist
grundsätzlich zeitgleich auszugleichen.
Handlungsempfehlung:
Bemessung von Hochwasserschutzanlagen nach
Randbedingungen des Einzelfalles:
Grundlage für die Bemessung von
Hochwasserschutzanlagen muß eine Risikopartnerschaft
von zuständiger Verwaltung und Betroffenen sein,
verbunden mit einem Existenzschutz z.B. durch eine
Versicherung.
Die Bemessung von örtlichen Hochwasserschutzanlagen
sollte sich nach den Randbedingungen des
Einzelfalles richten, orientiert an den
Hochwasserschadenspotentialen und der gefährdeten
Bevölkerung. |

www.lawa.de
Über alle Gesetze und
Rechtsfragen zum Wasserrecht informiert die Grüne
Liga auf ihrer Internetseite
www.wrrl-info.de |
Die DIN
19700-12 Stauanlagen,
Hochwasserrückhaltebecken
hat die Zielstellung eines Schutzgrades von HQ 100,
dieses aber nicht bedingungslos, sondern ...... |
4.1.1 Ziel der
Hochwasserrückhaltung
Ziel der Schutzmaßnahme durch Hochwasserrückhaltebecken
ist, die für die Unterlieger schadensträchtigen
Hochwasserereignisse zu reduzieren. Bei der Festlegung
des Schutzzieles sind wirtschaftliche und ökologische
Gesichtspunkte sowie Möglichkeiten der
Hochwasservorsorge zu berücksichtigen.
4.2.3 Hochwasserschutz (Hochwasserbemessungsfall 3)
Die Bemessung des gewöhnlichen Hochwasserrückhalteraumes
nach Hochwasserbemessungsfall 3 (BHQ3) unterliegt den
regional geprägten Anforderungen an den Schutz von
Bebauung und Objekten oder dem Ausgleich der
Wasserführung. ... |
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Ohne Beachtung dieser beiden
Papiere und unserer Einwände und Alternativen
wurden zwei Hochwasserrückhaltebecken geplant: |
Nach den uns zur Kenntnis
gekommenen Informationen soll das geplante
Hochwasserrückhaltebecken bei Meisdorf etwa so
aussehen:
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Die Bezeichnung als "Grünes Becken
mit ökologischem Gerinne" und das Bild mit der
Simulation des Staudammes sollen seine
Naturverträglichkeit suggerieren. |
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Bei Straßberg ist ein zweites
Rückhaltebecken
geplant
. |
Dieses HRB zerstört ebenso wie das
bei Meisdorf ein sehr wertvolles Naturschutzgebiet.
Deshalb : Erst wenn alle Alternativen realisiert sind
und dann noch weitere Hochwasserschutzmaßnahmen für
den elementaren Schutz von Menschenleben
erforderlich sein sollten, könnte der Bau dieses HRB
toleriert werden. |
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| Für das HRB Wippra
wurde 2006 das Planfeststellungsverfahren eröffnet und
ist bisher nicht abgeschlossen worden. |
Stellungnahme des NABU Sachsen-Anhalt
vom 7.04.2006:
Der NABU
lehnt das geplante Vorhaben aus naturschutzfachlicher
Sicht ab. Insbesondere sind mit erheblichen Auswirkungen
auf die Schutzgüter Pflanzen, Tiere und deren
Lebensräume zu erwarten. Das Projekt ist gemäß Artikel 6 FFH-Richtlinie nicht mit den Erhaltungszeilen vereinbar
und damit unverträglich. Die Darstellung des Ausgleichs-
und Ersatzkonzeptes ist nicht schlüssig und damit nicht
nachvollziehbar. |
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| Im
Ost-Erzgebirge wurde 2006 das HRB Lauenstein im
Müglitztal fertiggestellt. |
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Dieses HRB
ist konzipiert für gesteuerten Dauerstau.
Bei einem
Einzugsgebiet von 38 km² hat es einen Stauraum
von 5,19 Mio m³.
Es ist für ein HQ 200 ausgelegt.
Die Baukosten betrugen 38,7 Mio €.

Foto: Prof. Dr. Würzberg |
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| Ebenfalls
im
Ost-Erzgebirge - im Bielatal
bei Altenberg ist ein sehr großes HRB geplant.
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Für dieses HRB wurde das
Planfeststellungsverfahren eröffnet, aber wohl wegen
ebenso gravierender Mängel bei der Untersuchung und
Auswertung naturschutzfachlicher Belange nicht
abgeschlossen.
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| Als
weiteres HRB
im Ost-Erzgebirge ist im Pöbeltal das HRB Niederpöbel im
Bau. |
Welche Folgen der Bau
eines solchen Dammes hat, kann man gegenwärtig im
Osterzgebirge sehen. Hier wurde unweit von Schmiedeberg
mit der Bauvorbereitung eines Dammes für ein
Hochwasserrückhaltebecken im Pöbeltal begonnen. Wie im
Selketal handelt es sich um ein Trockenbecken, das nur
bei Hochwasser mehr oder weniger gefüllt wird. Das
Ausmaß dieses Beckens ist mit der im Selketal geplanten
Anlage vergleichbar: Rückhaltevolumen des Beckens im
Pöbeltal ca. 1,1 Mio. m³. |
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Der Pöbelbach ist ein
Nebenfluss der Weißeritz, die während des
Augusthochwassers im Jahr 2002 Teile der Innenstadt von
Dresden überschwemmte. Die im Pöbeltal geplante Maßnahme
ist Teil eines Hochwasserschutzkonzeptes, durch das
solche verheerenden Überschwemmungen künftig verhindert
werden sollen. Dem berechtigten Wunsch der Bevölkerung,
vor derartigen Katastrophen geschützt zu werden, soll
mit einer Reihe solcher Anlagen entsprochen werden. Es
ist allerdings aus den hier gezeigten Fotos ersichtlich,
welcher Preis dafür gezahlt werden muss. Nach einem
Zeitungsbericht (Dresdner Neueste Nachrichten vom
22.01.2011) wurden im Pöbeltal insgesamt ca. 7 ha Wald
abgeholzt. Man kann erkennen, dass im Bereich der
Baustelle bereits durch den Holzeinschlag die
ursprüngliche Vegetation zerstört werden musste.
Außerdem wird in unmittelbarer Nähe zur Baustelle ein
Steinbruch angelegt, in dem das Material für den Dammbau
gewonnen werden soll. Eine weitere Inanspruchnahme der
natürlichen Umwelt wird damit erforderlich. Dazu ist
aber festzustellen, dass im Hinblick auf die natürliche
Ausstattung und auf die Bedeutung für den Tourismus das
Pöbeltal nicht vergleichbar ist mit dem Selketal, das
eine wesentlich größere Schutzwürdigkeit hat. Wenn man
diese Bilder von der Baustelle im Pöbeltal gedanklich
auf das Selketal überträgt, so ist ersichtlich, dass es
sich mit dem Bau des geplanten Absperrdammes nicht um
eine kleinere, harmlose Baumaßnahme handeln wird.
Prof. Dr. Würzberg |
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Alternativen
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ALTERNATIVEN FÜR DIE
HOCHWASSERRÜCKHALTEBECKEN (HRB) ... |
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...... SIND
ERFORDERLICH, |
weil es
Natur und Umwelt schädigt
bis hin zur Vernichtung des NSG, des FFH-Gebietes und des Vogelschutzgebietes. |
Auf
unserer Seite
Naturschutz
haben wir dargestellt, wie einmalig und
wertvoll dieses Gebiet ist. Deshalb muß es unter allen
Umständen erhalten bleiben. |
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Mit dem Damm und der Kanalisierung des
Flusses vor und hinter dem Damm wird eine für fast alle
Tiere unüberwindliche Sperre gebaut. |
In der Planung wird behauptet, das HRB würde ökologisch
durchgängig gebaut. Andererseits wird eingeräumt, daß
das in Deutschland noch bei keinem HRB dieser Größe
erreicht werden konnte.
Die ökologische
Durchgängigkeit ist nicht erreichbar.
ca. 1000 m technischer Ausbau = Kanal
und Tunnel
Verschlechterungsverbot nach WRRL |
| Hänge werden
kahlgeschlagen |
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Kaltluftabfluß wird
verhindert und damit ändert sich das Mikroklima

Blick von der Hohe ( B 185 ) auf Meisdorf und dahinter
die aus dem Tal abfließende Kaltluft. |
Abfluß von Kaltluft wird untersucht
Der Landesbetrieb für Hochwasser und Wasserwirtschaft
hat unser Argument, der Damm würde den Kaltluftabfluß
behindern und damit das Ökosystem des Selketals
beeinträchtigen mehrfach als unbegründet bezeichnet. Nun
erfuhren wir aus der Presse (MZ am 4. Aug. 2007), daß
eine diesbezügliche Untersuchung veranlaßt wurde.
Dazu veröffentlichte die MZ QLB am 15. Aug. 2007
folgenden Leserbrief der BI:
Durch die Mitteilung über die
Kaltluftabflussuntersuchungen im Selketal erfuhr ich,
dass der Landesbetrieb für Hochwasserschutz nun doch
umfangreichere Untersuchungen durchführen lässt, um im
Naturschutzgebiet, EU-Vogelschutzgebiet und
EU-Schutzgebiet (FFH) Selketal einen
Hochwasserschutzdamm zu errichten. Es ist erfreulich,
dass vorher klein geredete Problemfaktoren nun doch
untersucht werden. Andererseits zeigt es jedoch, dass
Naturschutz- und Umweltfaktoren im Vorfeld nicht
ausreichend ausgelotet oder überblickt wurden, wenn nun
zusätzliche Untersuchungen stattfinden, die nicht in der
Gesamt(kosten)planung des Dammes berücksichtigt worden
sind. Um den Lokalpolitikern und Bürgern den Damm
plausibel zu machen, hieß es damals, der Damm sei die
ökologisch und ökonomisch beste Variante. Dass es nicht
die ökologisch beste Variante ist, kann der
Landesbetrieb nicht nachweisen. Dass es die ökonomisch
bessere Variante sein soll, wirft, angesichts der
ständig neuen Kostenfaktoren allein in der Planung,
große Zweifel auf.
Claudia Wolf |
| Naturraumverbrauch |
Fläche NSG wird verglichen mit
landwirtschaftlicher Nutzfläche.
Die Fläche im NSG, auf der der Damm mit allen
Nebenanlagen gebaut wird, "verbraucht" dieses Gebiet.
Im Gegensatz dazu ist die vorübergehende Inanspruchnahme
durch Überflutung bei Retentionsflächen kein "Verbrauch"
- dadurch entstehende Nutzungsausfälle sind ersetzbar. |
| nach HW bleiben Schlamm
und Gerümpel zurück |
Sie ersticken die Vegetation und auch deren Beseitigung zerstört die
Vegetation |
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weil es
die Landschaft schädigt. |
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HRB ist schnell voll und läuft bei HQ 200 über |
Normalerweise fließen in der Selke durch
Meisdorf etwa 1 bis 5 m³/s.
Am 13. April 1994 lag der Spitzenwert bei 110 m³/s -
einem HQ 200.
Wenn bei HQ 200 als Durchschnittswert 85 m³/s angesetzt
werden und 20 m³/s sofort abfließen, ist das
Rückhaltebecken Meisdorf mit seinem Füllvolumen von 1,94
Mio m³ nach 8,5 Stunden voll und das Wasser fließt über
den Überlauf und verursacht im Ort die Schäden, die der
Damm eigentlich verhindern soll. |
| Die Fläche,
auf die es regnet, liegt größtenteils unterhalb des
geplanten HRB. |
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| unbestimmte Kosten |
Behauptung : billiger als Ausbau in
den Orten |
| touristische
Attraktivität geht gänzlich verloren |
Tourismus ist ein wesentliches
Standbein für die Wirtschaft der Region - Arbeitskräfte |
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Worum geht es ?
Es geht darum, dass Sie - die Anwohner der Selke -
ausreichend vor Hochwasser geschützt werden. Und es geht
darum, dass uns allen das schöne und wertvolle Selketal,
in seiner Anmut erhalten bleibt, denn seine Zerstörung
ist unverantwortlich.
Die Bürgerinitiative Naturnaher Hochwasserschutz hat
diese Alternativen seit 2002 vorgeschlagen und bemühte
sich um deren Einbeziehung in die Planung.
Jede einzelne
hier aufgezeigte Maßnahme und alle zusammen werden einen besseren
Hochwasserschutz bieten als die Dämme. |
| 1
Eine westlich um Gatersleben vorbeigeführte Umflutmulde,
die einem historischen Flußlauf folgt, mit einem
rechtsseitigen ca. 1m hohen Deich sowie ein
Absperrbauwerk vor dem Ort schützen ihn sicher. Das ist
wesentlich effektiver und kostensparender als die
vorgesehenen Maßnahmen im Ort - die Kanalisierung der
Selke und die Fällung vieler Bäume. |
| 2
Die Niederschläge aus einem Einzugsgebiet um Ballenstedt
von 32 km² bringt die Getel in die Selke. Diese können
vor Hoym in einem Rückhaltebecken aufgefangen werden.
Dabei bildet die Kiesgrube Hoym ein weiteres
Speicher-Volumen. |
| 3
Das ehemalige Flußbett - östlich um Reinstedt - wird als
Umflutmulde reaktiviert. Zwei Absperrbauwerke vor dem
Ort verhindern seine Überflutung. |
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| 4
Vor Ermsleben kann der Bahndamm so ergänzt werden, dass
davor eine Retentionsfläche (Fläche, die für eine planmässige Überschwemmung
zur Verfügung gestellt wird.)
entsteht. |
| 5
Die Niederschläge aus dem Einzugsbereich des Sauerbaches
können in einem Rückhaltebecken aufgefangen werden. |
| 6
Die Straße, die am ehemaligen Bad in Meisdorf die Selke
überquert, kann um ca. 2 bis 3 m erhöht werden, die
Selke erhält an dieser Stelle ein Wehr, und es entsteht
auf der Langen Wiese eine Retentionsfläche, die bis kurz
vor die Jugendherberge reicht. |
7
Alle geeigneten Teiche (von insgesamt 28) werden für den
Hochwasserschutz ertüchtigt und vor einem drohenden
Hochwasser so weit abgelassen, daß deren Flora und Fauna
keinen Schaden nehmen, aber einen Stauraum für die
Niederschläge bilden :
a Juden-, Hahneröder und Harzgeröder Kunstteich
b Teufels- und Fürstenteich
c Birnbaumteich
d Malinius-, Franken- und Kiliansteich
e Bremer Teich.
Im Info-Blatt des TSB wird
festgestellt, daß ein “theoretisch möglicher
Rückhalteraum von 31% des erforderlichen bei Aktivierung
der Harzteiche” erreichbar sei. Das ist viel und darf
nicht vernachlässigt werden, denn damit sind die Teiche
ein wesentlicher Teil der Alternativen.
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| 8
Im Uhlenbachtal kann ein Rückhaltebecken in dem Bereich
zwischen der B 242 und der
Grubenwasser-Reiningungsanlage gebaut werden. Dieser
Bereich hat keine hochwertige Naturausstattung und keine
touristischen Besonderheiten. Es schützt alle Orte
zwischen Silberhütte und Meisdorf. |
| 9
Erst wenn alle Alternativen realisiert sind und dann
noch weitere Maßnahmen erforderlich werden, könnte der
Bau des Dammes bei Straßberg akzeptiert werden, obwohl
er ebenfalls ein sehr wertvolles NSG zerstört ! |
Den Gemeinden werden mobile Hochwasserschutz-Systeme zur
Verfügung gestellt und die Wasserwehren daran
ausgebildet.
Am 23. Sept. 2006 zeigten wir erprobte
Systeme von 6 verschiedenen Firmen z.T. im praktischen
Einsatz auf dem Gelände des Schloßhotels Meisdorf. Sie
sind schneller aufgebaut und effektiver als Sandsäcke.
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Eine Auswahl von Firmen,
die Hochwasserschutz-Systeme anbieten, finden Sie hier.
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In jedem Ort am Lauf der Selke hat es früher Mühlen
gegeben. Die Mühlteiche und -gräben dienten auch dem
Hochwasserschutz. Diese Bauwerke sind möglichst
wiederherzustellen. An ökologisch unbedenklichen Stellen
kann mit Turbinen Strom gewonnen und die Mühlteiche
können als Retentionsflächen genutzt werden. |
Hochwässer sind unvermeidbare Ereignisse an einem Fluss
- trotz aller Maßnahmen. Deshalb müssen die Bürger durch
Informationen über die Möglichkeiten des individuellen
Schutzes und ein effektives Frühwarnsystem auf die
unvermeidbare Gefahr hingewiesen werden. |
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Trotz starker Schneefälle im Bereich der
Selke im Dezember 2010 und im Januar 2011 hat es bei
dem anschließenden Tauwetter keine Hochwasserschäden
gegeben.
Am 15. Januar 2011 waren an der Selke die
maximalen Pegel in Silberhütte 20 m³/s, in Meisdorf
23 m³/s und ca. 20 Stunden später in Hausneindorf
33 m³/s. Bisher war unsere Information, daß die
Selke nur 20 m³/s schadlosen Durchfluß ermögliche.
Einzelne lokale Maßnahmen an der Selke haben also
schon eine Verbesserung des Hochwasserschutzes
bewirkt. Unsere Vorschläge würden diesen Trend
weiter führen.
Keinesfalls darf angesichts der großen
Schäden im Bereich der Schwarzen Elster auf die
Verbesserung des Hochwasserschutzes an der Selke
verzichtet werden. |
Aus unseren Alternativen haben wir
eine Prioritätenliste erarbeitet, die der
Landesregierung und den Bewohnern des Selketals und
der Selkeaue zeigen, daß es möglich ist, auch schon
vor 2018 einen effektiven und leichter machbaren
Hochwasserschutz zu erreichen. Diese
Vorschläge haben wir auch an Minister Dr. Aeikens
geschickt. Dazu ist in der Mitteldeutschen Zeitung
Quedlinburg in der Ausgabe am 16. April 2011 ein Artikel
erschienen. |
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