Die Selke ist einer der
schönsten Flüsse im Harz.
Sie kann inmitten unverbauter Landschaft fließen
und hat einen weitestgehend freien und naturnahen Lauf –
im Selketal des Harzes
und in der Selkeaue des Harzvorlandes.

Sie ist mit einem großen Teil ihres Einzugsgebietes

  • ein Naturschutzgebiet (NSG),
  • ein Schutzgebiet nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union (FFH-Gebiet) und
  • ein europäisches Vogelschutzgebiet
  • eine Lebensader des regionalen Tourismus.

 

Die Selke hat in der Vergangenheit in größeren zeitlichen Abständen in den kleinen Orten des Tals und der Aue Zerstörungen angerichtet, letztmalig im April 1994, weil die Gewässerpflege im Tal und in der Aue seit Jahrzehnten vernachlässigt wird.
Hochwasserschutzmaßnahmen sind daher erforderlich.

 

Das Selketal ist bedroht!

Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt (Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt) favorisiert vorwiegend technischen Hochwasserschutz siehe (HW-Aktionsplan).
 

Ein Hochwasserrückhaltebecken (HRB)
soll bei Meisdorf gebaut werden.

Ein "begrünter" Damm mit einem Betonkern von 15 m Höhe und 108 m Sohllänge soll das Tal unterhalb der Burg Falkenstein auf einer Breite von 121 m abriegeln.

Etwa alle 5-7 Jahre würde es vor dem Damm im Tal zu einem Anstau je nach Größe des Hochwassers auf einer Länge von bis zu 2,5 km kommen.


(Vor dem Damm eine gelbe Person als Größenvergleich)

 

Das würde zur Zerstörung des schönsten
und bedeutendsten Talabschnitts führen.

Schon die Existenz dieses Dammes zerstört das Selketal:

  • er ist nicht ökologisch durchgängig. Bei einem Querschnitt von 108 m ist ökologische Durchgängigkeit nicht möglich.
  • er verändert das Mikroklima des Tals durch die Unterbindung des täglichen Luftaustauschs und verändert damit die Standortansprüche vieler vom Aussterben bedrohter Tiere und Pflanzen dramatisch.
  • er schadet dem Landschaftsbild und schreckt Touristen ab, die jetzt das Tal für ihre erholsamen Wanderungen und Urlaube aufsuchen. Im Bereich des Anstaus werden die Bäume gefällt werden müssen, was ebenfalls die Landschaft verschandelt und die Ökologie zerstört.

Jedes Hochwasser läßt Schlamm, Geröll und mitgerissene Gegenstände zurück. Das Tal wird für Wanderer unzumutbar. Die Beseitigung der Ablagerungen zerstört die Vegetation.

 

Da der Damm für ein HQ 100 ausgelegt wird, kann er die Orte in der Selkeaue vor einem Hochwasser wie 1994 nicht schützen, denn mehr als 2/3 des bei Katastrophen-Wetterlagen zusammenströmenden Wassers kommt aus der Selkeaue selbst und nur weniger als 1/3 aus dem Harz.
Er führt eher zu einer Sorglosigkeit der Bevölkerung, so daß sie im Schadensfall der Flut schutzlos ausgeliefert ist.

 

HQ 100 (Hochwasserquotient) bedeutet, daß dieses Hochwasser eine Stärke erreicht, wie sie nach den statistischen Berechnungen in 100 Jahren nur einmal vorkommt.
Das Hochwasser 1994 wurde als ein HQ 200 eingestuft.

Deshalb darf dieser Damm nicht gebaut werden !
Er stellt eine irreparable und kostspielige Verantwortungslosigkeit gegenüber Gesellschaft und Natur dar.

 

Die Landesregierung hat die Planung des HRB Meisdorf bereits in Auftrag gegeben.
Sie verweist Meinungsäußerungen dazu auf das nach Fertigstellung der Planung einzuleitende Planfeststellungsverfahren. Dieses beinhaltet aber keine Varianten oder Alternativen, so daß davon abweichende Meinungen wegen nicht ausreichenden Nachweises der Effektivität wahrscheinlich abgelehnt werden.

 

Alternativer Hochwasserschutz ist möglich!
Er ist nachhaltiger, naturverträglicher, tourismusfreundlicher, sicherer und verantwortungsbewußter!

Die wesentlichen alternative Möglichkeiten
für einen effektiven Hochwasserschutz :

  1    Eine westlich um Gatersleben herumgeführte Umflutmulde, die einem historischen Flußlauf folgt, mit einem rechtsseitigen ca. 1m hohen Deich ist wesentlich effektiver und kostensparender als die vorgesehenen Maßnahmen im Ort, die die Selke kanalisieren würden. Vor dem Ort verhindert ein Absperrbauwerk dessen Überflutung.

  2    Über einen ca. 2,5 km langen Kanal kann Flutwasser in den Concordia-See geleitet und später mit Strom aus Windenergie wieder leergepumpt werden.

  3    Den Gemeinden werden mobile Hochwasserschutz- Systeme (z.B. Big Bag, Aqua Barrier, NOAC-Schlauchwall zur Verfügung gestellt und die Wasserwehren daran ausgebildet.

  4    Das ehemalige Flußbett, das östlich Reinstedt umgeht, wird als Umflutmulde reaktiviert. Vor dem Ort verhindert ein Absperrbauwerk dessen Überflutung.

  5    In jedem Ort am Lauf der Selke hat es früher Mühlen gegeben. Die Mühlteiche und -gräben dienten auch dem Hochwasserschutz. Diese Bauwerke sind wiederherzustellen. An geeigneten Stellen kann mit Turbinen Strom gewonnen werden und die Mühlteiche können als Retentionsflächen genutzt werden.

  6    Die Niederschläge aus einem Einzugsgebiet von 30 km² können vor Hoym in dem HRB Getel aufgefangen werden.

  7    Vor Ermsleben kann der bisherige Bahndamm eine Retentions­fläche entstehen lassen.

  8    Die Niederschläge aus dem Einzugsbereich des Sauerbaches können durch ein HRB zurückgehalten werden.

  9    Die Straße, die vor Meisdorf die Selke überquert, kann um ca. 1m erhöht werden, die Selke erhält an dieser Stelle ein Wehr und es entsteht auf der Langen Wiese eine Retentionsfläche, die bis kurz vor die Jugendherberge reicht.

Alle geeigneten Teiche (von insgesamt 28) werden vor einem drohenden Hochwasser so weit abgelassen, daß deren Flora und Fauna keinen Schaden nehmen, aber einen Stauraum für die Niederschläge bilden.

10    Juden-, Hahneröder und Harzgeröder Kunstteich
11    Teufels- und Fürstenteich
12    Birnbaumteich
13    Malinius-, Franken- und Kiliansteich
14    Bremer Teich

15    Das Uhlenbachtal hat in seinem unteren Bereich keine hochwertige Naturausstattung und keine touristischen Besonderheiten. Deshalb kann hier das HRB Uhlenbach gebaut werden.

16    Erst wenn alle anderen Alternativen gebaut worden sind und wenn dann noch weitere Maßnahmen erforderlich sind, kann das HRB Straßberg gebaut werden. denn es zerstört ebenfalls ein wertvolles NSG !

  Einzugsgebiet  km²  

Das Einzugsgebiet der
Selkeaue beträgt 255,2 km².

Das HRB Meisdorf könnte mit seinem
Einzugsgebiet von 86,9 km² (= 25%)
nur einen geringen Beitrag zur
Verringerung der Hochwassergefahr
 in der Selkeaue leisten.

16 HRB Straßberg 46,0
15 HRB Uhlenbach 19,5
14 Bremer Teich 1,5
13 Maliniusteich 9,0
12 Birnbaumteich 1,9
11 Teufelsteich 6,0
10 Judenteich 4,5
  HRB Meisdorf 86,9
8 HRB Sauerbach 8,2
6 HRB Getel 32,0
  Selkeaue 255,2
 

Summe

470,7

Bei sowieso umfangreichen Maßnahmen
(siehe Ziff. 1 - 9) in den Orten der Selkeaue
ist die Zerstörung der Natur im Selketal
nicht zu verantworten.

Für diesen besseren Hochwasserschutz setzen wir uns ein.